Viel versprechend zeigen sich zurzeit erste hoffnungsvolle Zeichen der Markt-Erholung. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat im Januar dieses Jahres seine Prognose für das Weltwirtschaftswachstum angehoben. Für 2010 erwartet die Organisation ein Plus von 3,9 Prozent. Zuvor war sie von nur 3,1 Prozent ausgegangen. Der Welthandel hat sich aufgrund niedriger Zinsen und staatlicher Konjunkturprogramme wieder gefangen und soll nach einem Negativwachstum von -12,3 Prozent im Jahr 2009 auf positive +5,8 Prozent anwachsen. Die Auftriebskräfte für die Erholung bringt wie erwartet die Dynamik in China, welches Deutschland im Jahr 2009 den inoffiziellen Titel „Exportweltmeister“ abgerungen hat.
Die aktuellen Aussichten zeigen erste Anzeichen einer Erholung. Inwieweit das Fahrwasser, sprich die Entwicklung der Märkte, den Kurs der Schifffahrt begünstigt, hängt von der weiteren Entwicklung der Wachstumstreiber USA, China, Indien und Russland sowie von den möglichen Tendenzen zu Protektionismus, von den Nachlaufeffekten der globalen Konjunkturprogramme, von dem Vorgehen der Geldpolitik, von der Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten, von den Auswirkungen der Regulierung auf den Finanzmärkten und von der Stabilität der Arbeitsmärkte ab.
Mit Slow Steaming in Fahrt
Der Schifffahrtsmarkt profitiert indes von den eingeleiteten Maßnahmen der Linienreeder wie das so genannte Slow Steaming, das den Brennstoffverbrauch und somit die Kosten erheblich verringert: Die Reduktion der Geschwindigkeit von beispielsweise 22 Knoten auf 14 Knoten schafft schon einen Mehrbedarf an Schiffsraum von 22 Prozent auf der Route Asien-Europa, wenn die jährliche Transportleistung konstant gehalten werden soll. Dabei ist es für die Reedereien wirtschaftlicher, mit mehr Schiffen langsamer als mit wenigen schneller zu fahren. Durch die Kombination aus Slow Steaming und der zurzeit günstigen Charterraten können darüber hinaus neue oder auch erweiterte Liniendienste im Markt angeboten werden. Die erhöhte Nachfrage von Tonnage sorgte bis Februar 2010 für einen Rückgang der stillgelegten Transportkapazitäten um ca. 12,5 Prozent.
Neuausrichtung der Werften
Durch verschobene Neubauablieferungen, Umbestellungen oder Stornierungen werden im Jahr 2010 weniger Schiffe ausgeliefert als ursprünglich vorgesehen und belasten somit den Chartermarkt weniger. Es bleibt abzuwarten, ob und inwieweit noch vorhandene Überkapazitäten durch Abwrackungen und steigende Ladungsmengen absorbiert werden können. Aufgrund fehlender Neubauaufträge richten sich die Werften neu aus: Es besteht inzwischen ein gesteigertes Interesse daran, Schiffsrecycling in das Angebot aufzunehmen. Besonders China zeichnet sich dabei durch den Ausbau des „Green Recycling“ aus, bei dem Schiffe in Schwimmdocks oder an der Pier zerlegt werden. Reparatur, Umbau und Nachrüstung von Schiffen treten mehr in den Vordergrund. Darüber hinaus setzen die Werften zunehmend auf den Spezialschiffbau, diversifizieren gleichzeitig aber auch ihre Produktpalette über den Schiffbau hinaus mit Anlagen zur Windenergieerzeugung oder der Offshore-Technik, die immer mehr an Bedeutung gewinnt – ebenso wie der maritime Umweltschutz.
Mit Klimaschutz voran
Für die Seeschifffahrt wird Klimaschutz zum beherrschenden Thema der nächsten Jahre, obwohl die Seeschifffahrt mit Abstand die beste Klimabilanz aller Verkehrsträger hat. Die IMO arbeitet intensiv daran, den Emissionsausstoß der Schiffsmotoren durch technische Verbesserungen an Schiff und Maschine zu senken. Dabei ist die Wahrung der Verhältnismäßigkeit von Umweltschutz und höchstmöglicher Wirtschaftlichkeit unabdingbar. Es müssen realistische Lösungen erarbeitet werden, die den Welthandel nicht beeinträchtigen und eine Verlagerung auf weniger umweltfreundliche Verkehrsträger vermeiden. Die Anzeichen für eine Erholung der Weltwirtschaft mehren sich. Für die Schifffahrt kommt es im Jahr 2010 darauf an, dass sich der Welthandel erholt und die Nachfrage nach Seetransportleistungen wieder deutlich steigt. Vorerst stehen wir am Anfang eines schrittweisen Aufschwungs.